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ID #2871

Commodore: Nyx


nyxmotherboard.jpg


"Dies ist ein Nyx-Motherboard, komplett außer Betrieb. Für alle, die es nicht wissen: Es war das Prototyp-Systemboard für den Advanced Amiga Architecture (AAA) Chipsatz."

Dave Haynie über Nyx

'Anders als die meisten Motherboard-Prototypen, die einem im Laufe der Zeit so unterkommen, war Nyx nie dazu gedacht, in Produktion zu gehen. Wenn Commodore überlebt hätte, wäre das erste AAA-System basierend auf der Acutiator-Architektur gebaut worden. Nyx verwendete die Amiga 3000-Architektur und viele, viele Hochgeschwindigkeits PAL-Chips, damit die Änderungen in der A3000 Grundidee funktionieren.

Von Links aus betrachtet sieht man einen kombinierten Zorro III/Videosteckplatz. Der nächste darüber ist ein Zorro III/Grafiksteckplatz. Dieser würde direkten, digitalen Zugriff auf den Grafik-Bus erlauben, im Grunde jene Datenleitung, die den Monica Chip (Ablösung für Denise) mit Informationen versorgt. Ein Grafik-Eingabegerät hätte hier ein nettes Zuhause. Darüber ist ein einfacher Zorro III-Steckplatz. Und rechts daneben befinden sich zwei Chip-RAM Sockel (ein Anschluß fehlt). Das Nyx-System könnte ausgerüstet sein entweder mit Fast-Page Mode (FPM) Speicher oder mit Video Speicher, der mit 2 Eingängen arbeitet für Module mit 32 Bit am CPU-Eingang und entweder 32 oder 64 Bit am Grafikeingang (FPM-Module enthalten zusätzliche Puffer, um das Verfahren mit 2 Eingängen zu simulieren).

Man kann keine eigentlichen Chips auf der Platine sehen. Es wurden nicht viele AAA-Chips gebaut und einige, wie Andrea, mußten mit FIB bearbeitet werden, um überhaupt zu funktionieren (FIB = Focused Ion Beam; im Grunde genommen ein sehr teures Verfahren, um einen Chip "nachzubessern"). Die zwei großen Sockel neben den Chip-RAM Steckplätzen sind für Linda und Monica, die Zeilenpuffer- und Grafikchips. Der Freiraum über ihnen ist für zusätzliche Linda- und Monica-Chips, denn ein 64-Bit Grafiksystem hätte zwei von jedem. Der nächste große Sockel darüber ist für den Andrea-Chip, das Gegenstück zu Agnus/Alice. Und links davon, hinter einer ganzen Reihe von Debug-Schnittstellen, befindet sich der Sockel für den letzten AAA-Chip, den Mary-Chip. Mary übernahm die Paula-Funktionen: Floppy, Audio usw.

Beim Nyx drehte sich nicht alles nur um den AAA-Chipsatz, sondern auch in vielerlei Hinsicht um das, was wir in einem Amiga der nächsten Generation sehen wollten. Auf der unteren Hälfte des Mainboards kann man die SIMM-Bänke für den Fast-RAM sehen. Daneben ist ein SIMM-Steckplatz für die ROM, welcher sowohl mit gewöhnlichen Amiga Masken-ROMs, als auch mit Flash-ROMs arbeiten kann. Über diesem ROM-SIMM befindet sich eine A3000-typische CPU-Modulschnittstelle - das Nyx Board hatte keine eingebaute CPU. Da ist auch ein Gary-Chip, und gleich rechts neben Gary ist ein ganzes Netzwerk von schnellen PALs und Taktmodulen.

AAA war seiner Zeit voraus und in einer Hinsicht sogar ganz besonders: Es hätte wirklich einen chipeigenen PLL-Taktgeber haben sollen (PLL=Phase-Locked Loop - Phasenregelkreis). Da es den nicht hatte, mußten bis zu viel Pixel-Takte, die von einem auf den anderen wechseln konnten, ohne zu "splittern", zu jeder gegebenen Zeit an das System übertragen werden. In diesem Fall übernimmt das die Logik. Die Erklärung hierfür ist simpel: "Wohlerzogene" Bildschirme. Der einfache Grund dafür, warum man keine Amiga-typischen Bilder auf einem PC erzeugen kann, ist das fehlen des Copper (obwohl viele Chips dieser Zeit schon eine Art fortgeschrittenen Bild-Coprozessor hatten). Der allerdings entscheidende Grund ist, daß jeder Bildschirmmodus einen anderen Pixel-Takt nutzt, und ein PLL bräuchte eine oder zwei Sekunden, um eine neue Frequenz festzulegen. AAA erledigte das, indem es bis zu vier Takte bestimmte (in dieser Ausführung; 8 wären möglich in der logischen Registerkarte), die zeilenweise ausgewählt werden konnten. Indem es verschiedene Takte wählte - und mit Zeilen/Pixel-Doppler im Zeilenpuffer - war das System nicht nur in der Lage, Bilderzeugung zu unterstützen, es ermöglichte ebensogut die gleichzeitige Darstellung verschiedener Grafik-Modi, so daß man mehrere zusammen auf einem Bildschirm sehen kann.


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Die Aufnahme der Unterseite zeigt die Abstandsbolzen, ein paar Nachbesserungen und eine abgebrochene Ecke an diesem Board. Dieses war das erste funktionierende AAA-Board und auch das erste, das wieder den Geist aufgab. Die Ursache für das "Dahinscheiden" war zum Teil reines Versehen und zum Teil auch etwas Fahrlässigkeit. Der erste, den die Schuld trifft, bin ich. Damals brauchte man eine +12V Spannung für Flash-Speicher, also legte ich eine solche an die Flash-SIMM-Module an. Aber leider, anstatt das +12V Signal an beiden Seiten durch Masseanschlüsse oder etwas in der Art zu sichern, habe ich die umliegenden Signale so ziemlich ignoriert. Das ist nicht unbedingt die beste Entscheidung, denn wenn eine +12V Spannung mit einem normalen TTL-Level Eingang kurzgeschlossen wird, kann sie diesen Eingang durchaus zerstören.

Das zweite Problem war das ROM-SIMM selbst. Hier haben die PCB-Leute ein wenig gepfuscht, so daß das SIMM nich richtig fest im Sockel saß und leicht nach links oder rechts rutschen konnte, was den angrenzenden Pins erlaubte, sich gelegentlich kurzzuschließen. Glücklicherweise habe ich das noch früh bemerkt und dem Kurzschluß Einhalt geboten. Unglücklicherweise wußten einige der Chip-Entwickler nicht darüber Bescheid und versuchten eines Tages, als ich gerade nicht zugegen war, das Board hochzufahren. Das Ergebnis war ein +12V Kurzschluß in der Datenleitung D5, der einen großen Teil des Systems vernichtete. Nun, solche Dinge passieren, und schließlich hatten wir ja noch zwei andere Boards. Diese Boards gingen dann mit einigen der besten Chip-Leute ins AAA-Projekt. Soweit ich weiß, funktionierte mindestens eins davon - jedenfalls so gut, wie diese Dinge damals funktionieren konnten.


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Bild 3 zeigt eine Nahaufname der linken unteren Ecke. Mit dabei ist noch ein Echtheitszertifikat, ein Foto und einige Unterlagen für das Nyx und den AAA-Chipsatz. Da gab es so Einiges; beispielsweise planten wir eine (für damalige Verhältnisse) billige Netzwerkintegration, basierend auf Arcnet-Chips. Der Tastatureingang - üblicherweise kompatibel mit dem A3000/A4000 konnte ebenfalls in einem "Desktop-Bus" Modus laufen, vom Konzept her ähnlich wie der Apple Desktop-Bus oder der DEC Access.bus, in seiner Einbindung ähnlich, wie Commodore's alter, serieller Peripherie-Busfür den VIC-20/C64/C128. Jede Menge witzige Dinge und auch traurige "könnte/sollte sein" Dinge sind mit dabei.' - Dave Haynie, Commodore-Entwickler (Text aus einer ebay-Auktion, als er sein Nyx im Oktober 2001 verkaufte)

 

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Dave Haynie

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Letzte Änderung des Artikels: 2010-02-14 13:27
Revision: 1.1

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