Netzteilumbau ATX -> Amiga
Eins vorweg:
Diese Anleitung erfolgt nach bestem Wissen und
Gewissen; trotzdem kann es sein, dass sich der eine oder andere
Fehler eingeschlichen hat.
Generell sollte jemand, der sich mit
Meßgerät und Lötkolben nicht auskennt, die Finger
von diesem Umbau lassen.
Der Umbau geschieht auf EIGENE GEFAHR!
Ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn Ihr Eure Hardware
(oder Euch selbst!) ins Nirwana befördert! Wer nicht weiss,
was er da macht, hat selber schuld, wenn es schiefgeht - Ich
liefere hier nur einen Bericht, wie ich selber vorgegangen
bin.
Wer kennt das nicht; Amiga 500 (oder andere)
voll gepackt mit RAM, TK, Laufwerken usw...und auf einmal streikt
das Netzteil.
Kein Wunder: Der nackte A500 kam mit relativ
wenig Saft aus, und so waren die Netzteile mit 25W
eigentlich ausreichend. Außerdem: mehr Leistung = teurer in
der Produktion = niedrigere Gewinnspanne.
Der Haken an der Sache: die externen Laufwerke,
die RAM-Erweiterung, der TV-Modulator sie alle brauchten
Strom, und den bezogen sie vom Amiga. Außerdem werden die
Netzteile mit den Jahren auch etwas müde, so
daß der vor 10 Jahren noch tadellos funktionierende Computer
auf einmal wegen Strommangel rumzickt.
Also muß ein neues her.
VORSICHT!
Schaltnetzteile sind gefährlicher als eine
Klapperschlange!
Im Gegensatz zu normalen Trafonetzteilen
arbeiten Schaltnetzteile u.a. mit hochfrequenter HOCHSPANNUNG! Wenn
ihr mit solchen Teilen rumhantiert, seid VERDAMMT VORSICHTIG! Die
Kondensatoren können auch Stunden nach Netztrennung noch genug
Saft intus haben, um euch in die Holzkiste zu
befördern!!!
Im AMINET und auf diversen Internetseiten
existieren zwar schon viele Anleitungen, wie man ein PC-Netzteil
für den Amiga umbaut.
Aber: wer will schon so ein hässliches Teil
bei sich rumstehen haben?
Also machte ich mich auf die Suche nach etwas
eleganterem.
Ich fand es in Form eines Micro-ATX-Netzteiles,
welches in einem Gehäuse von nur 125 x 100 x 63 mm satte 150
Watt liefert. Kostenpunkt bei unserem liebstem 3-2-1: 9,95 plus
Porto als Neuware und mit Garantie (die wir nach getaner Arbeit
allerdings getrost vergessen können :-) )
Also bestellt und gefreut: Das Ding ist ja wirklich ganz
herzallerliebst...
Der Hersteller heisst "Yuan-Kee" und das Modell ist YK-063.

Zur Tat: Als erstes musste das Gehäuse weg.
Also runter damit und nochmal gefreut: Die Platine hat die
Traummaße 95 x 95 x 40 mm, passt also perfekt!

Hier auch wieder: VORSICHT!
Wenn ihr das Teil dauerhaft betreiben wollt,
solltet ihr euch um eine ABSCHIRMUNG bemühen! Am besten das
alte C=-Gehäuse von innen mit selbstklebender Kupferfolie
auslegen (Lüftungsöffnungen freilassen!), sonst habt ihr
eventuell nach ein paar Tagen den Peilwagen von der Post vor der
Tür: Google mit EMV schafft Klarheit :-)
Als nächstes wurde ein altes
Commodore-Netzteil auseinandergenommen und die Innereien entfernt;
ausserdem wurden die inneren Haltepunkte für den Trafo
entfernt: sind im Weg und werden eh nicht mehr
gebraucht.
Dann müssen nur noch die
Anschlußkabel ausgelötet werden (den Schalter nicht
vergessen), die werden noch gebraucht soll ja später
gut aussehen! Dabei sollte man sich auch gleich aufschreiben,
welche Farbe welche Spannung bekommt.
Zurück zum ATX: Dort merkt/Beschriftet man
sich zuerst die Punkte, an denen wir unsere benötigten
Spannungen herbekommen. Das sind:
+5 V +12 V -12 V GND
Als Hilfestellung: +5V ist üblicherweise
ROT, +12V GELB, GND ist SCHWARZ.
Verlasst Euch aber nicht drauf, sondern messt
nach! Hängt eine Last dran und messt die Spannungen
durch!
-12V variiert bei manchen Herstellern, ist aber
laut Spezifikation BLAU.
Außerdem sollte man die Power_On-Leitung
auf GND legen; wir schalten das Netzteil lieber über
Netzschalter.
Die Power_On ist zwar laut Spezifikation
GRÜN, bei meinem Netzteil war sie dagegen GRAU.
Tip: Man schaut nach der -12V an ATX-Stecker, 2
Leitungen weiter zwischen 2 GND-Kabeln ist die Power_On. Am besten
direkt am Netzteil auf GND legen, also an das schwarze Kabel
klemmen.
Nun löten wir so ziemlich alles aus, was an
Kabeln da ist.
ACHTUNG: Bei meinem Netzteil liefen 2 Leitungen
am ATX-Stecker zusammen; diese musste ich auf der Platine wieder
verbinden, sonst läuft das Netzteil nicht an!
Nun löten wir das Netzteilkabel sauber an
den vorgesehenen Stellen (DIE WIR UNS HOFFENTLICH NOTIERT HABEN!!!)
ein.
Eventuell muss man das Kabel ein wenig durch die
Tülle ziehen (mit ein wenig Mühe geht das), damit alles
passt.
Die Anschlußleitung von der
Kaltgerätebuchse zum Netzteil löten wir auch ab; dort
kommen Stromkabel und der Schalter ran. Gut isolieren, am besten
mit Schrumpfschlauch!

Jetzt fehlt noch der Lüfter. Den sollte man
auf keinen Fall weglassen, kann bös in die Hose gehen.
Ausserdem ist der wirklich leise.
Dafür nehme man 4 alte Befestigungsbuchsen
für PC-Mainboards und schraube diese in den Deckel vom
Netzteil ein. Vorher den Lüfter ranhalten und
markieren....
Dann braucht man nur noch ein paar passende
Schrauben (gesegnet sind in diesem Falle die Modellbauer!), und
fertig!

Im Prinzip könnte man das ganze nun
zuschrauben, anschließen und sich über ein
funktionierendes superleichtes Netzteil freuen.
Ich bin noch nen Schritt weiter
gegangen.
Folgendes: Ich habe einen Protar A500HD
SCSI-Controller, den man besser über ein Netzteil versorgen
sollte (Nebeneffekt: man kann das Amiga-Netzteil weglassen)
Außerdem kann man immer mal 5 oder 12 Volt gebrauchen
:-)
Also habe ich das Anschlußkabel
durchtrennt und dort 9-Polige Sub-D-Stecker/Buchsen
angeschlossen.

Vorteil: Ich kann mir unzählige
Anschlußkabel bauen, oder eine Verteilerbox
anschließen, und habe immer noch die Möglichkeit, den
Amiga darüber zu betreiben.
MfG CrazyIcecap
Nächstes Projekt: Wie wir aus einer
Handvoll Logikbausteinen, einer Kugelschreibermine und einem
Kaugummi (unter Zuhilfenahme eines Schweizer Taschenmessers) eine
Turbokarte mit Nuklearbeschleuniger basteln :-)
Oder doch lieber: "Wie wir unter Zuhilfenahme
einer alten Netzwerkkarte den freien Lötplatz auf der Lyra um
einen RJ45-Port für eine interne Netzwerkkarte beim 1200er
Tower-umbau erweitern" ?
To be continued...
Ach ja, grössere Bilder gibt es unter
http://www.crazy-icecap.com/files/ntumbaugross.zip Hat ca. 2,2
MB
(c) by CrazyIcecap, icecap@gmx.net
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